Bei einer Doppelbesatzung fahren mindestens zwei Fahrer gemeinsam in einem Lkw und wechseln sich am Steuer ab. Der wichtigste Unterschied zur Einzelfahrerbesatzung ist die 30-Stunden-Regel: Jeder Fahrer muss innerhalb von 30 Stunden nach dem Ende seiner vorherigen täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit eine neue tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden vollständig genommen haben.
Die Doppelbesatzung ermöglicht es, einen Lkw über längere Zeit in Bewegung zu halten. Die persönlichen Lenkzeitgrenzen verschwinden dadurch jedoch nicht. Jeder Fahrer hat weiterhin seine eigenen Lenkzeiten, Pausen, Ruhezeiten und Aufzeichnungen im Tachographen.
| Regel | Doppelbesatzung |
|---|---|
| Besatzung | Mindestens zwei Fahrer zum Führen des Fahrzeugs |
| 30-Stunden-Regel | Neue tägliche Ruhezeit muss innerhalb von 30 Stunden vollständig genommen sein |
| Tägliche Ruhezeit | Mindestens 9 Stunden |
| Tägliche Lenkzeit pro Fahrer | Grundsätzlich 9 Stunden, zweimal pro Woche bis 10 Stunden |
| Pause nach der Lenkzeit | Spätestens nach 4,5 Stunden sind 45 Minuten Pause erforderlich |
| Pause im fahrenden Lkw | Unter bestimmten Voraussetzungen während der Fahrt des zweiten Fahrers möglich |
| Tachograph | Jeder Fahrer nutzt seine eigene Fahrerkarte |
Was bedeutet Doppelbesatzung beim Lkw?
Eine Doppelbesatzung, auch Mehrfahrerbetrieb oder Mehrfahrerbesatzung genannt, liegt vor, wenn während eines Fahrzeitraums mindestens zwei Fahrer im Fahrzeug eingesetzt werden, um sich beim Fahren abzuwechseln.
Dabei gibt es eine wichtige Besonderheit: Während der ersten Stunde des Mehrfahrerbetriebs muss der zweite Fahrer noch nicht zwingend im Fahrzeug sein. Für den restlichen Zeitraum ist seine Anwesenheit erforderlich.
Ein möglicher Ablauf ist deshalb:
- Fahrer A beginnt die Fahrt allein.
- Fahrer B steigt innerhalb der ersten Stunde zu.
- Anschließend befinden sich beide Fahrer im Fahrzeug.
- Die Fahrer wechseln sich während des Einsatzes am Steuer ab.
Wie funktioniert die 30-Stunden-Regel bei Doppelbesatzung?
Im Mehrfahrerbetrieb muss jeder Fahrer innerhalb von 30 Stunden nach dem Ende seiner vorherigen täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit eine neue tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden vollständig genommen haben.
Die 30 Stunden sind keine zulässige Lenkzeit.
In diesen Zeitraum können beispielsweise fallen:
- Lenkzeit,
- andere Arbeit,
- Bereitschaftszeit,
- Pausen,
- die anschließende tägliche Ruhezeit.
Die 30-Stunden-Regel ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Doppelbesatzung und Einzelfahrerbetrieb.
Wie berechnet man die 30 Stunden bei Doppelbesatzung?
Die 30 Stunden werden für jeden Fahrer individuell ab dem Ende seiner vorherigen täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit gerechnet.
Beispiel:
Ein Fahrer beendet seine Ruhezeit am Montag um 06:00 Uhr. Der neue 30-Stunden-Zeitraum endet am Dienstag um 12:00 Uhr.
Da die erforderliche tägliche Ruhezeit innerhalb dieser 30 Stunden vollständig genommen worden sein muss, darf eine 9-stündige Ruhezeit in diesem Beispiel nicht erst um 12:00 Uhr beginnen.
Bei einer 9-stündigen täglichen Ruhezeit müsste sie spätestens um 03:00 Uhr beginnen, damit sie bis 12:00 Uhr vollständig genommen wurde.
Was ist der Unterschied zwischen 24 und 30 Stunden?
Bei einer normalen Einzelfahrerbesatzung muss die vorgeschriebene tägliche Ruhezeit grundsätzlich innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden nach dem Ende der vorherigen täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit genommen werden.
Bei einer ordnungsgemäßen Doppelbesatzung verlängert sich dieser Zeitraum auf 30 Stunden.
| Einzelfahrer | Doppelbesatzung |
|---|---|
| 24-Stunden-Zeitraum | 30-Stunden-Zeitraum |
| Ein Fahrer | Mindestens zwei Fahrer |
| Weniger Möglichkeiten zum Fahrerwechsel | Fahrer können sich am Steuer ablösen |
| Fahrzeug steht während vieler Fahrerpausen | Fahrzeug kann während der Pause eines Fahrers weiterfahren |
Wie lange darf ein Fahrer in Doppelbesatzung fahren?
Die Doppelbesatzung erhöht nicht die persönliche tägliche Lenkzeit eines Fahrers.
Für jeden Fahrer gelten weiterhin die üblichen Lenkzeitgrenzen:
- grundsätzlich maximal 9 Stunden tägliche Lenkzeit,
- höchstens zweimal pro Woche Verlängerung auf maximal 10 Stunden,
- maximal 56 Stunden Lenkzeit innerhalb einer Woche,
- maximal 90 Stunden Lenkzeit innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Wochen.
Beide Fahrer werden getrennt betrachtet. Die Lenkzeit von Fahrer A wird nicht mit der Lenkzeit von Fahrer B zu einem persönlichen Limit zusammengerechnet.
Können zwei Lkw-Fahrer zusammen 20 Stunden fahren?
Unter bestimmten Voraussetzungen können zwei Fahrer zusammen eine sehr lange Gesamtlenkzeit des Fahrzeugs ermöglichen. Eine pauschale Regel „Doppelbesatzung darf immer 20 Stunden fahren“ gibt es jedoch nicht.
Wenn beide Fahrer an einem Tag jeweils eine zulässige Lenkzeit von 10 Stunden nutzen können, ergibt sich rechnerisch eine mögliche Gesamtlenkzeit von bis zu 20 Stunden.
Dabei müssen jedoch zusätzlich berücksichtigt werden:
- ob die Verlängerung auf 10 Stunden für den jeweiligen Fahrer noch zulässig ist,
- Pausen,
- andere Arbeit,
- Be- und Entladung,
- 30-Stunden-Regel,
- tägliche Ruhezeit,
- wöchentliche Lenkzeit,
- Lenkzeit in zwei aufeinanderfolgenden Wochen.
Deshalb muss eine Doppelbesatzung immer anhand der Zeiten beider Fahrer individuell geplant werden.
Muss der Lkw nach 4,5 Stunden für 45 Minuten stehen?
Bei Doppelbesatzung nicht zwingend. Hat Fahrer A seine maximale Fahrperiode von 4,5 Stunden erreicht, kann Fahrer B das Steuer übernehmen.
Fahrer A kann dann unter bestimmten Voraussetzungen seine 45-minütige Pause im fahrenden Fahrzeug nehmen, während Fahrer B fährt.
Dadurch kann der Lkw weiterfahren, obwohl Fahrer A seine vorgeschriebene Fahrtunterbrechung absolviert.
Wie funktioniert die 45-Minuten-Pause bei Doppelbesatzung?
Spätestens nach einer Lenkzeit von 4,5 Stunden muss ein Fahrer eine Fahrtunterbrechung von mindestens 45 Minuten einlegen, sofern er nicht unmittelbar eine Ruhezeit beginnt.
Im Mehrfahrerbetrieb darf die 45-minütige Pause auch in einem fahrenden Fahrzeug genommen werden, wenn:
- der andere Fahrer das Fahrzeug führt,
- der Fahrer während seiner Pause nicht beim Fahren hilft,
- er keine anderen beruflichen Aufgaben ausführt.
Wird die Pause während der Fahrt des anderen Fahrers genommen, sollte sie als zusammenhängender Zeitraum von 45 Minuten erfolgen.
Kann die 45-Minuten-Pause auf dem Beifahrersitz gemacht werden?
Ja. Ein Fahrer in Doppelbesatzung kann die erforderliche 45-minütige Pause auf dem Beifahrersitz verbringen, während der andere Fahrer den Lkw fährt.
Voraussetzung ist, dass er währenddessen keine Aufgaben übernimmt und den Fahrer am Steuer nicht unterstützt.
Nach Ablauf der Pause kann die weitere Zeit auf dem Beifahrersitz als Bereitschaftszeit gelten.
Ist die gesamte Beifahrerzeit eine Pause?
Nein. Die Zeit auf dem Beifahrersitz ist nicht automatisch vollständig eine Pause oder Ruhezeit.
Bei Doppelbesatzung muss unterschieden werden zwischen:
- Fahrtunterbrechung,
- Bereitschaftszeit,
- anderer Arbeit,
- täglicher Ruhezeit.
Ein zusammenhängender Zeitraum von 45 Minuten kann unter den entsprechenden Voraussetzungen als Fahrtunterbrechung genutzt werden. Die darüber hinausgehende Zeit neben dem fahrenden Fahrer wird in der Regel als Bereitschaftszeit behandelt.
Ist Beifahrerzeit bei Doppelbesatzung Arbeitszeit?
Die Zeit des zweiten Fahrers auf dem Beifahrersitz kann als Bereitschaftszeit gelten und ist damit von tatsächlicher Arbeitszeit zu unterscheiden.
Das gilt insbesondere dann, wenn der Fahrer während dieses Zeitraums:
- nicht selbst fährt,
- keine andere Arbeit erledigt,
- nur darauf wartet, später das Steuer zu übernehmen.
Übernimmt er dagegen Aufgaben wie Ladungssicherung, Dokumentation oder andere berufliche Tätigkeiten, handelt es sich nicht um reine Bereitschaftszeit.
Kann der zweite Fahrer während der Fahrt schlafen?
Der zweite Fahrer kann während der Fahrt schlafen oder dösen. Dadurch wird die Zeit aber nicht automatisch zur täglichen Ruhezeit.
Auch wenn sich im Fahrerhaus ein Bett befindet und der zweite Fahrer schläft, kann eine tägliche Ruhezeit nicht einfach während der Fahrt des Kollegen absolviert werden.
Die Zeit muss entsprechend ihrer tatsächlichen rechtlichen Bedeutung aufgezeichnet werden.
Kann die tägliche Ruhezeit während der Fahrt des zweiten Fahrers genommen werden?
Nein. Die tägliche Ruhezeit kann nicht in einem fahrenden Fahrzeug genommen werden.
Eine tägliche Ruhezeit im Lkw ist nur möglich, wenn:
- das Fahrzeug steht,
- eine geeignete Schlafmöglichkeit vorhanden ist.
Das bedeutet: Schlaf während der Fahrt des Kollegen ist nicht mit einer täglichen Ruhezeit gleichzusetzen.
Wie lange ist die tägliche Ruhezeit bei Doppelbesatzung?
Im Mehrfahrerbetrieb muss jeder Fahrer innerhalb des 30-Stunden-Zeitraums eine tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden vollständig genommen haben.
Eine tägliche Ruhezeit von mindestens 11 Stunden ist eine regelmäßige tägliche Ruhezeit. Ein Zeitraum von mindestens 9 Stunden, aber weniger als 11 Stunden, gilt als verkürzte tägliche Ruhezeit.
| Ruhezeit | Bedeutung |
|---|---|
| Mindestens 11 Stunden | Regelmäßige tägliche Ruhezeit |
| Mindestens 9 bis unter 11 Stunden | Verkürzte tägliche Ruhezeit |
| 45 Minuten | Fahrtunterbrechung, keine tägliche Ruhezeit |
Wie oft darf die tägliche Ruhezeit auf 9 Stunden verkürzt werden?
Zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten darf ein Fahrer höchstens drei verkürzte tägliche Ruhezeiten einlegen.
Auch bei Doppelbesatzung sollte deshalb nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass nach jedem Einsatz dauerhaft nur 9 Stunden tägliche Ruhezeit eingeplant werden können.
Eine 9-stündige tägliche Ruhezeit ist eine verkürzte tägliche Ruhezeit und muss entsprechend in die gesamte Wochenplanung des Fahrers einbezogen werden.
Muss eine 9-Stunden-Ruhezeit ausgeglichen werden?
Eine verkürzte tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden muss nicht durch zusätzliche Ruhezeit ausgeglichen werden.
Das unterscheidet sie unter anderem von bestimmten verkürzten wöchentlichen Ruhezeiten, für die andere Regeln gelten.
Muss der zweite Fahrer von Anfang an im Lkw sein?
Nein. Während der ersten Stunde des Mehrfahrerbetriebs ist die Anwesenheit des zweiten Fahrers optional.
Beispiel:
- Fahrer A startet um 08:00 Uhr allein.
- Fahrer B steigt um 08:40 Uhr zu.
- Ab diesem Zeitpunkt fahren beide gemeinsam weiter.
- Für den restlichen Mehrfahrerzeitraum bleibt Fahrer B im Fahrzeug.
Steigt der zweite Fahrer erst nach mehr als einer Stunde zu, können die Voraussetzungen für den Mehrfahrerbetrieb für den betreffenden Zeitraum nicht einfach rückwirkend angenommen werden.
Wie funktioniert der Tachograph bei Doppelbesatzung?
Bei Doppelbesatzung nutzt jeder Fahrer seine eigene Fahrerkarte. Beide Karten müssen in den dafür vorgesehenen Kartenschächten des digitalen Tachographen stecken.
Der Tachograph zeichnet unter anderem auf:
- Lenkzeit,
- andere Arbeit,
- Bereitschaftszeit,
- Pausen und Ruhezeiten.
Die aufgezeichnete Aktivität muss der tatsächlichen Tätigkeit des jeweiligen Fahrers entsprechen.
Welche Fahrerkarte kommt in Slot 1 und Slot 2?
Die Fahrerkarte der Person, die aktuell den Lkw fährt, gehört in Kartenschacht beziehungsweise Slot 1. Die Karte des zweiten Fahrers gehört in Slot 2.
Nach einem Fahrerwechsel muss sichergestellt werden, dass die Kartenpositionen der neuen Rolle entsprechen.
| Tachograph | Fahrer |
|---|---|
| Slot 1 | Fahrer, der aktuell das Fahrzeug führt |
| Slot 2 | Zweiter Fahrer der Doppelbesatzung |
Was passiert beim Fahrerwechsel mit den Karten?
Beim Fahrerwechsel müssen die Fahrerkarten so verwendet werden, dass der aktuell fahrende Fahrer im Tachographen als Fahrer 1 erfasst wird.
Vor der Weiterfahrt sollte kontrolliert werden:
- wer als Fahrer 1 registriert ist,
- ob beide Fahrerkarten erkannt werden,
- welche Aktivität für den zweiten Fahrer eingestellt beziehungsweise aufgezeichnet wird,
- ob vorherige Zeiten vollständig erfasst wurden.
Eine falsche Kartenposition kann bei einer Kontrolle zu Problemen führen, selbst wenn sich tatsächlich zwei Fahrer im Fahrzeug befinden.
Was zeichnet der Tachograph beim zweiten Fahrer während der Fahrt auf?
Während der Fahrt wird beim zweiten Fahrer im digitalen Tachographen typischerweise Bereitschaftszeit aufgezeichnet.
Ein zusammenhängender Abschnitt von 45 Minuten kann im Mehrfahrerbetrieb als erforderliche Fahrtunterbrechung berücksichtigt werden, wenn der Fahrer währenddessen keine Hilfe für den fahrenden Kollegen leistet und keine andere Arbeit ausführt.
Die übrige Zeit auf dem Beifahrersitz sollte nicht automatisch als Ruhezeit betrachtet werden.
Wie wechseln sich zwei Lkw-Fahrer richtig ab?
Ein Fahrerwechsel sollte rechtzeitig und an einem sicheren Ort geplant werden.
Vor dem Wechsel sollten beide Fahrer kontrollieren:
- aktuelle Lenkzeit von Fahrer A,
- aktuelle Lenkzeit von Fahrer B,
- bereits genommene Fahrtunterbrechungen,
- Wochenlenkzeiten,
- 30-Stunden-Zeitraum,
- richtige Position der Fahrerkarten.
Der Wechsel sollte nicht erst wenige Sekunden vor Erreichen der persönlichen Lenkzeitgrenze geplant werden. Stau, Parkplatzsuche oder fehlende sichere Haltemöglichkeiten sollten berücksichtigt werden.
Beispiel für Doppelbesatzung im Lkw
Ein vereinfachter Ablauf kann folgendermaßen aussehen:
| Phase | Fahrer A | Fahrer B |
|---|---|---|
| Start | Fährt | Bereitschaft |
| Nach der ersten Fahrphase | 45-Minuten-Pause | Übernimmt die Fahrt |
| Weitere Fahrt von B | Nach der Pause Bereitschaft | Fährt |
| Nächster Wechsel | Übernimmt die Fahrt, wenn seine Zeiten dies erlauben | Pause oder Bereitschaft |
| Ende des Einsatzes | Tägliche Ruhezeit | Tägliche Ruhezeit |
Der konkrete Ablauf hängt von den persönlichen Lenkzeiten, anderer Arbeit, Be- und Entladung, Verkehr, Parkmöglichkeiten und der vorherigen Arbeitszeit jedes Fahrers ab.
Beispiel: Fahrerwechsel nach 4,5 Stunden
Ein häufig verwendetes vereinfachtes Modell sieht so aus:
- Fahrer A fährt bis zu 4,5 Stunden.
- Fahrer B befindet sich währenddessen im Fahrzeug.
- Fahrer B übernimmt anschließend das Steuer.
- Fahrer A nimmt während der Fahrt von B eine zusammenhängende 45-minütige Pause.
- Danach bleibt Fahrer A bis zum nächsten Wechsel in Bereitschaft.
- Später kann Fahrer A erneut fahren, wenn seine individuellen Lenkzeitgrenzen dies zulassen.
Die Fahrer müssen sich nicht zwingend immer genau nach 4,5 Stunden abwechseln. Entscheidend ist die Einhaltung der persönlichen Lenkzeiten und Pausen.
Müssen sich zwei Fahrer immer nach 4,5 Stunden abwechseln?
Nein. Ein Fahrerwechsel genau nach 4,5 Stunden ist nicht vorgeschrieben.
Die Fahrer können sich auch früher abwechseln. Wichtig ist, dass:
- kein Fahrer seine persönliche Lenkzeit überschreitet,
- die erforderlichen Fahrtunterbrechungen eingehalten werden,
- die tatsächlichen Tätigkeiten korrekt aufgezeichnet werden,
- die tägliche Ruhezeit rechtzeitig genommen wird.
Kann ein Fahrer in Doppelbesatzung 10 Stunden fahren?
Ja. Auch bei Doppelbesatzung darf die tägliche Lenkzeit eines Fahrers grundsätzlich zweimal pro Woche von 9 auf maximal 10 Stunden verlängert werden.
Die Doppelbesatzung schafft jedoch keine zusätzlichen Verlängerungen über diese allgemeinen Grenzen hinaus.
Wie lange kann ein Lkw mit Doppelbesatzung unterwegs sein?
Es gibt keine einfache allgemeine Regel, nach der ein Lkw mit zwei Fahrern eine bestimmte feste Zahl von Stunden ohne Unterbrechung fahren darf.
Für die Berechnung müssen berücksichtigt werden:
- Lenkzeit von Fahrer A,
- Lenkzeit von Fahrer B,
- Fahrtunterbrechungen,
- andere Arbeit,
- Bereitschaftszeiten,
- 30-Stunden-Regel,
- tägliche Ruhezeiten,
- Wochenlenkzeit,
- Zwei-Wochen-Lenkzeit.
Deshalb lässt sich die zulässige Einsatzdauer nur anhand der tatsächlichen Zeitaufzeichnungen beider Fahrer zuverlässig beurteilen.
Was zählt beim zweiten Fahrer als andere Arbeit?
Führt der zweite Fahrer während der Fahrt oder eines Stopps berufliche Tätigkeiten aus, kann dieser Zeitraum als andere Arbeit gelten.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Be- und Entladen,
- Ladungssicherung,
- Fahrzeugkontrollen,
- Reinigungsarbeiten im Zusammenhang mit der Tätigkeit,
- Bearbeitung von Transportdokumenten,
- andere Aufgaben für den Arbeitgeber.
Andere Arbeit kann nicht gleichzeitig als Fahrtunterbrechung gelten.
Kann der zweite Fahrer während seiner Pause arbeiten?
Nein. Soll ein Zeitraum als Pause gelten, darf der Fahrer währenddessen keine beruflichen Aufgaben ausführen.
Wer während einer vermeintlichen Pause Dokumente bearbeitet, Ladung kontrolliert oder andere Aufgaben erledigt, nutzt diese Zeit nicht vollständig zur Erholung.
Doppelbesatzung und tägliche Ruhezeit im Fahrerhaus
Eine tägliche Ruhezeit darf im Lkw genommen werden, wenn das Fahrzeug steht und für jeden Fahrer eine geeignete Schlafmöglichkeit vorhanden ist.
Das ist besonders bei Doppelbesatzung wichtig: Die Ruhezeit beginnt nicht automatisch in dem Moment, in dem ein Fahrer auf die Liege wechselt, während sein Kollege weiterfährt.
Erst im stehenden Fahrzeug kann die erforderliche Ruhezeit im Fahrerhaus genommen werden.
Doppelbesatzung oder Einzelfahrer – was ist der Unterschied?
| Regel | Einzelfahrer | Doppelbesatzung |
|---|---|---|
| Fahrer | 1 | Mindestens 2 |
| Zeitraum für tägliche Ruhezeit | Grundsätzlich 24 Stunden | 30 Stunden |
| Lenkzeit pro Fahrer | 9 / bis 10 Stunden | 9 / bis 10 Stunden |
| 45-Minuten-Pause bei fahrendem Fahrzeug | Nicht möglich | Unter den Voraussetzungen des Mehrfahrerbetriebs möglich |
| Weiterfahrt während Fahrerpause | Nein | Der zweite Fahrer kann übernehmen |
| Fahrerkarten | Eine Fahrerkarte | Fahrerkarten beider Fahrer |
Welche Vorteile hat Doppelbesatzung?
Der größte Vorteil einer Doppelbesatzung besteht darin, dass der Lkw während der Fahrtunterbrechung eines Fahrers durch den anderen Fahrer weiterbewegt werden kann.
Dadurch eignet sich das Modell besonders für:
- lange Fernverkehrstouren,
- zeitkritische Transporte,
- lange internationale Strecken,
- Touren, bei denen eine schnelle Zustellung wichtig ist.
Doppelbesatzung bedeutet jedoch nicht automatisch weniger Belastung. Beide Fahrer verbringen längere Zeit gemeinsam im Fahrzeug und müssen ihre Arbeits- und Ruhezeiten sehr genau koordinieren.
Was sind die häufigsten Fehler bei Doppelbesatzung?
Viele Verstöße entstehen nicht durch zu lange tatsächliche Lenkzeiten, sondern durch eine falsche Zuordnung von Pause, Bereitschaft, anderer Arbeit und Ruhezeit.
Typische Fehler sind:
- die gesamte Beifahrerzeit als Pause einzustufen,
- Schlaf im fahrenden Fahrzeug als tägliche Ruhezeit zu behandeln,
- die 30 Stunden falsch zu berechnen,
- die 9-stündige Ruhezeit erst am Ende der 30 Stunden zu beginnen,
- mehr als drei verkürzte tägliche Ruhezeiten zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten einzuplanen,
- falsche Kartenpositionen im Tachographen,
- falsche Aktivität des zweiten Fahrers,
- Fahrerwechsel zu spät zu planen,
- andere Arbeit während einer als Pause gedachten Zeit auszuführen,
- Wochen- und Zwei-Wochen-Lenkzeiten nicht einzubeziehen.
Was wird bei einer Kontrolle der Doppelbesatzung geprüft?
Bei einer Kontrolle können insbesondere die Aufzeichnungen beider Fahrer relevant sein.
Geprüft werden können:
- Fahrerkarten,
- Lenkzeiten,
- Fahrtunterbrechungen,
- tägliche Ruhezeiten,
- wöchentliche Ruhezeiten,
- Bereitschaftszeiten,
- andere Arbeit,
- richtige Nutzung der Tachographen-Slots,
- Einhaltung der Voraussetzungen der Doppelbesatzung.
Gerade bei langen internationalen Touren sollte deshalb jeder Fahrer seine eigenen Zeiten kennen und nicht ausschließlich darauf vertrauen, dass der Kollege oder die Disposition den Einsatz korrekt geplant hat.
Checkliste vor einer Tour mit Doppelbesatzung
- Sind beide Fahrerkarten gültig?
- Kennen beide Fahrer ihre bisherigen Lenkzeiten?
- Wann endete die letzte tägliche oder wöchentliche Ruhezeit?
- Wann endet der jeweilige 30-Stunden-Zeitraum?
- Wer beginnt mit der Fahrt?
- Wann sind Fahrerwechsel geplant?
- Wo kann sicher gewechselt werden?
- Wann werden die 45-minütigen Pausen genommen?
- Wann beginnt die tägliche Ruhezeit?
- Sind Fahrerkarte 1 und Fahrerkarte 2 richtig eingesetzt?
- Wissen beide Fahrer, wie der verwendete Tachograph bedient wird?
- Wurden Wochen- und Zwei-Wochen-Lenkzeiten geprüft?
FAQ – Doppelbesatzung im Lkw
Was bedeutet Doppelbesatzung beim Lkw?
Bei einer Doppelbesatzung befinden sich mindestens zwei Fahrer im Fahrzeug, die sich beim Fahren abwechseln. Während der ersten Stunde darf der zweite Fahrer noch fehlen, für den restlichen Mehrfahrerzeitraum muss er grundsätzlich im Fahrzeug sein.
Was bedeutet die 30-Stunden-Regel bei Doppelbesatzung?
Jeder Fahrer muss innerhalb von 30 Stunden nach dem Ende seiner vorherigen täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit eine neue tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden vollständig genommen haben.
Beginnt die 9-Stunden-Ruhezeit erst nach 30 Stunden?
Nein. Die Ruhezeit muss innerhalb der 30 Stunden bereits vollständig genommen worden sein. Bei 9 Stunden Ruhezeit muss sie entsprechend spätestens 9 Stunden vor Ablauf des 30-Stunden-Zeitraums beginnen.
Wie lange darf ein Fahrer bei Doppelbesatzung fahren?
Grundsätzlich maximal 9 Stunden täglich. Zweimal pro Woche kann die tägliche Lenkzeit auf höchstens 10 Stunden verlängert werden.
Dürfen zwei Fahrer zusammen 20 Stunden fahren?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich rechnerisch eine Gesamtlenkzeit von bis zu 20 Stunden ergeben, wenn beide Fahrer jeweils eine zulässige 10-Stunden-Lenkzeit nutzen können. Das ist jedoch keine pauschale tägliche 20-Stunden-Regel für jede Doppelbesatzung.
Muss der Lkw nach 4,5 Stunden 45 Minuten stehen?
Bei Doppelbesatzung nicht zwingend. Der zweite Fahrer kann übernehmen, während der erste Fahrer unter den entsprechenden Voraussetzungen seine 45-minütige Pause im fahrenden Fahrzeug nimmt.
Kann man die 45-Minuten-Pause während der Fahrt machen?
Ja. Im Mehrfahrerbetrieb kann ein Fahrer die 45-minütige Pause im von seinem Kollegen gefahrenen Fahrzeug nehmen, wenn er den fahrenden Fahrer nicht unterstützt und keine andere Arbeit ausführt.
Ist die Zeit auf dem Beifahrersitz automatisch Pause?
Nein. Ein Teil kann als Fahrtunterbrechung genutzt werden, die übrige Zeit kann beispielsweise Bereitschaftszeit sein.
Kann der zweite Fahrer während der Fahrt schlafen?
Ja, er kann schlafen oder dösen. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeit automatisch als tägliche Ruhezeit gilt.
Kann man die tägliche Ruhezeit während der andere Fahrer fährt nehmen?
Nein. Eine tägliche Ruhezeit kann nicht in einem fahrenden Fahrzeug genommen werden.
Wie lange muss die tägliche Ruhezeit bei Doppelbesatzung sein?
Innerhalb des 30-Stunden-Zeitraums muss jeder Fahrer mindestens 9 Stunden tägliche Ruhezeit vollständig genommen haben.
Wie oft darf man 9 Stunden tägliche Ruhezeit machen?
Eine tägliche Ruhezeit von 9 bis unter 11 Stunden ist eine verkürzte tägliche Ruhezeit. Zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten sind grundsätzlich höchstens drei verkürzte tägliche Ruhezeiten möglich.
Muss eine 9-Stunden-Ruhezeit nachgeholt werden?
Eine verkürzte tägliche Ruhezeit muss nicht durch zusätzliche Stunden ausgeglichen werden.
Muss der zweite Fahrer von Anfang an dabei sein?
Nein. Während der ersten Stunde der Doppelbesatzung ist seine Anwesenheit optional. Danach muss er für den restlichen Mehrfahrerzeitraum im Fahrzeug sein.
Welche Fahrerkarte gehört in Slot 1?
In Slot 1 gehört die Fahrerkarte des Fahrers, der aktuell den Lkw fährt. Die Karte des zweiten Fahrers gehört in Slot 2.
Was zeichnet der Tachograph beim Beifahrer auf?
Während der Fahrt wird beim zweiten Fahrer typischerweise Bereitschaftszeit aufgezeichnet. Ein zusammenhängender Zeitraum von 45 Minuten kann unter den Voraussetzungen der Doppelbesatzung als Fahrtunterbrechung berücksichtigt werden.
Müssen sich Fahrer immer nach 4,5 Stunden abwechseln?
Nein. Ein Wechsel kann auch früher stattfinden. Entscheidend ist, dass jeder Fahrer seine eigenen Lenkzeiten, Pausen und Ruhezeiten einhält.
Kann jeder Fahrer in Doppelbesatzung 10 Stunden fahren?
Die tägliche Lenkzeit kann auch bei Doppelbesatzung höchstens zweimal pro Woche auf 10 Stunden verlängert werden. Ob diese Möglichkeit für beide Fahrer verfügbar ist, hängt von deren individueller Wochenplanung ab.
Doppelbesatzung im Lkw – das Wichtigste auf einen Blick
- Doppelbesatzung bedeutet, dass mindestens zwei Fahrer zum Führen des Fahrzeugs eingesetzt werden.
- Während der ersten Stunde kann der zweite Fahrer noch fehlen.
- Danach muss der zweite Fahrer für den restlichen Mehrfahrerzeitraum im Fahrzeug sein.
- Jeder Fahrer hat seine eigenen Lenkzeitgrenzen.
- Die tägliche Lenkzeit beträgt grundsätzlich 9 Stunden.
- Zweimal pro Woche kann sie auf höchstens 10 Stunden verlängert werden.
- Nach spätestens 4,5 Stunden Lenkzeit ist grundsätzlich eine 45-minütige Fahrtunterbrechung erforderlich.
- Diese 45 Minuten können bei Doppelbesatzung unter bestimmten Voraussetzungen im fahrenden Lkw genommen werden.
- Die übrige Zeit auf dem Beifahrersitz ist nicht automatisch Pause oder Ruhezeit.
- Tägliche Ruhezeit kann nicht im fahrenden Fahrzeug genommen werden.
- Jeder Fahrer muss innerhalb von 30 Stunden eine tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden vollständig genommen haben.
- 9 bis unter 11 Stunden gelten als verkürzte tägliche Ruhezeit.
- Zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten sind grundsätzlich höchstens drei verkürzte tägliche Ruhezeiten zulässig.
- Der aktuell fahrende Fahrer nutzt Slot 1 des Tachographen.
- Der zweite Fahrer nutzt Slot 2.
- Nach dem Fahrerwechsel müssen die Karten entsprechend der tatsächlichen Fahrerrolle verwendet werden.
- Der häufigste Fehler bei Doppelbesatzung ist die Verwechslung von Fahrtunterbrechung, Bereitschaftszeit und täglicher Ruhezeit.
40 180 295 41 




